Anonymes Sufen im Internet

Grundkonzept des Einwahlvorgangs über eine dynamische IP-Adresse eines Providers

Jeder User, der sich mit seinem PC ins Internet einwählt, bekommt dafür von seinem Netzprovider, z.B. der Deutschen Telekom, eine dynamische IP-Adresse zugewiesen. Die Adresse heißt deswegen dynamisch, da man sie nur für einen Einwahlvorgang, aber höchstens für 24 Stunden zu gewiesen bekommt. (Nach 24Stunden wird die Verbindung normalerweise kurz unterbrochen). Eine feste IP-Adresse, die man immer für die Einwahl ins Internet verwenden kann, ist technisch nicht möglich, da der Adressbereich für die IP-Adressen begrenzt ist. Die meisten Nutzer erhalten deshalb für die Aufenhaltszeit im WWW eine dynamische Adresse zugewiesen. Firmen oder Serverbetreiber erhalten feste IP-Adressen, damit die Server immer über die gleiche IP-Adresse erreichbar sind.

Druch die IP-Adresse ist der Nutzer im Internet nie anonym. Diese Adresse wird über einen bestimmten Zeitraum beim Provider gespeichert. Der Provider speichert neben der IP-Adresse auch besuchten Websites, Einwahlzeit, etc., die sogenannten Logfiles.
Durch die dynamische Zuordnung der IPs ist es im WWW nicht so leicht, den User herauszufinden, aber trotzdem machbar.
Neben den IPs werden aber noch zusätzliche Informationen über das Netz an die besuchte Internetseite geliefert, wie z.B.:

  • verwendetes Betriebssystem
  • verwendeter Webbrowser
  • Bildschirmauflösung
  • Internetseite, von der man kommt
  • Internetseite, die man danach besucht

Welche Daten übermittle ich? Hier ein kostenloser Online-Test www.netreal.de/test/ip/

Wer nun nicht will, dass seine nicht Surfgewohnheiten so leicht nachvollziehbar sind, der kann sich anonym im WWW bewegen. Dazu wählt man sich auf einem der vielen öffentlichen Proxyservern ein und verschleiert daruch seine eigentliche dynamische IP. Die eigene IP wird beim Gebrauch einen Proxys durch dessen IP ersetzt. D.h. der Surfer wählt sich bei einem öffentlichen Proxy ein und teilt diesem mit, welche Seite er anschauen will. Der Proxy nimmt die Anfrage an und sucht die Seite im Internet. Wenn er diese gefunden hat, lädt er die Daten in seinen Cache und stellt sie dann dem Surfer bereit. Durch diese Art des Surfens bleibt der Surfer nach dem Proxy unerkannt.

Anmerkung: Was ist ein Proxy?

Ein Proxy oder Proxyserver (von engl. proxy representative = Stellvertreter, bzw. lat. „proximus“ = „Der Nächste“) ist ein Dienstprogramm für Computernetze, das im Datenverkehr vermittelt. Es macht den Datentransfer effizienter (weniger Netzbelastung durch große Datenmengen) bzw. schneller, kann aber auch die Sicherheit erhöhen.

Vor- und Nachteile bei der Verwendung eines öffentlichen Proxys

Vorteil
  • Anonymität
  • evtl. höhere Geschwindigkeit, wenn der Proxy die angefragte Seite bereits in seinem Cache gespeichert hat
Nachteil
  • Geschwindigkeitseinbußen, wenn man einen langsamen Proxyserver erwischt.

Vollige Anonymität mit einem Proxy?

Nein, nur durch den Einsatz eines öffentlichen Proxyservers ist die Anonymität noch nicht gewährleistet. Durch Cookies oder durch Java ist es noch möglich den Server zu identifizieren, sogar besser, einfacher und schneller als über die IP. (Mehr zum Thema Cookies: http://www.bsi-fuer-buerger.de/browser/02_04.htm und zum Thema Java: http://www.bsi-fuer-buerger.de/browser/02_03.htm ).

Einwahl über einen öffentlichen Proxy

Es gibt nun die Möglichkeit sich direkt mit dem Webbrowser auf einem öffentlichen Proxy einzuwählen und über das angezeigte Menü die URL der gewünschten Website einzugeben, was im allgemeinen eine recht umständliche Sache ist. Eine Liste öffentlicher Proxies gibt es hier ➡http://sharjeelsayed.blogspot.com/2006/03/beat-censorship-using-these-proxies.html.

Die andere, konfortablere Möglichkeit ist es, ein Programm zu benutzen, das die Anfragen des Webbrowsers im Hintergrund abfängt und an einen Proxy weiterleitet. Der Surfer bekommt davon nichts mit, außer der Proxyserver ist zu langsam.

Ein Programm für das anonyme surfen ist Tor. Die Software gibt es für Windows, Mac und Unix/BSD/Linux und kann hier heruntergeladen werden. ➡tor.eff.org/index.html.de. Hier gibt es nochmal eine ausführliche Beschreibung der Funktionsweise von Tor: ➡tor.eff.org/overview.html.en.

Installation von Tor

Die Installation von Tor unter Linux (ich verwende Kubuntu) gestalltet sich sehr leicht. Tor ist als Paket verfügbar und kann mit dem Befehl

sudo apt-get install tor

installiert werden. Neben Tor wird noch das Paket privoxy welches sich ebenfalls mit dem Befehl

sudo apt-get install privoxy

installieren läßt.

Nach erfolgreicher Installation muss Privoxy noch angepasst werden. Dazu in das Verzeichnis /etc/privoxy/ wechseln und die Datei config öffnen. In dieser Datein folgenden Eintrag hinzufügen.

forward-socks4a / localhost:9050 . !!Achtung Punkt nicht vergessen!!!

9050 ist der Port von Privoxy, das die Verbindung ins WWW herstellt, Tor verwendet standardmäig den Port 8118.

Bei Privoxy läuft standardmäßig ein Protokoll mit, dass alle Verbindungen aufzeichnet. Um dies abzuschalten, falls gewünscht, müssen in der config-File ein paar Einträge auskommatiert werden. Dies geschieht dadurch, indem man vor diesen Eintrag ein # setzt. Die Einträge die für das Protokoll zuständig sind, sind

logfile logfile<br>
jarfile jarfile<br>
debug 1 # show each GET/POST/CONNECT request

Nachdem nun die Software installiert ist, müssen die unterschiedlichen Programme, wie der Webbrowser noch angepasst werden. Für Firefox gibt es dafür eine Erweiterung torbutton, die hier ➡Torbutton Plugin heruntergeladen werden kann.
Alle anderen Browser müssen per Hand angepasst werden. Eine Anleitung findet sich hier: ➡TheOnionRouter.
Danach beide Programme, Tor und Privoxy, mit neustarten und man surft anonym.

sudo /etc/init.d/tor restart<br>
sudo /etc/init.d/privoxy restart

Weitere Links:

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